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Was ist digitales Wohlbefinden?
Insgesamt herrscht Einigkeit darüber, dass digitale Technologien einen Einfluss auf das Wohlbefinden haben. Der Begriff Digitales Wohlbefinden beschreibt, wie digitale Technologien das menschliche Wohlbefinden beeinflussen – positiv wie negativ.
Neuere Forschung berücksichtigt neben einer generellen Nutzungsdauer auch die hohe Komplexität von Technologien: Nicht nur wie viel, sondern wie und warum man digitale Medien nutzt, spielt scheinbar eine wichtige Rolle.
Wie muss digitale Arbeit gestaltet sein, damit sie Menschen entlastet statt erschöpft?
Diese Seite bündelt, was Arbeitspsychologie und UX-Forschung dazu wissen: welche Belastungen digitale Arbeit mit sich bringt, welche Ressourcen dagegenhalten und wo Organisationen, Softwareteams und Beschäftigte ansetzen können.
Auf dieser Seite
01 Technologie & Wohlbefinden
02 Themen im Überblick
03 Selbsttest
04 Wie digitales Wohlbefinden entsteht
05 Was die Forschung zeigt
06 Beiträge zum Weiterlesen
07 Begriffe kurz erklärt
Wie beeinflussen digitale Technologien unser Wohlbefinden?
Wohlbefinden wird in der Psychologie oft in hedonisches (subjektives Glück) und eudaimonisches Wohlbefinden (Sinn und Selbstverwirklichung) unterteilt. Digitales Wohlbefinden knüpft an diese Konzepte an, indem betrachtet wird, wie digitale Gewohnheiten sowohl kurzfristige Zufriedenheit (Spaß vs. Stress) als auch langfristige Lebensziele und Bedürfnisse beeinflussen. Die Kompetenz des Individuums, die eigene Technologienutzung mit persönlichen Werten und Zielen in Einklang zu bringen. Andere stellen die Balance von Vor- und Nachteilen der Technologienutzung in den Vordergrund.
Faktoren wie Nutzungsmotivation, Inhaltsart, Nutzungskontext, Software-Gestaltung und individuelle Unterschiede moderieren den Einfluss auf das digitale Wohlbefinden erheblich. Das erschwert eindeutige Aussagen.
Technologien können sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf unser digitales Wohlbefinden haben. Sie ermöglichen Kommunikation, Information und Unterhaltung, können aber auch zu Stress, Überforderung und sozialer Isolation führen. Der ständige Zugang zu Informationen und die Erwartung permanenter Erreichbarkeit können psychischen Druck erzeugen. Die Interaktion mit digitalen Technologien beeinflusst unser Leben in unterschiedlichen Bereichen und kann aus verschiedenen Perspektiven betrachtet werden: der psychologischen, der sozialen und der technischen.
Aus psychologischer Perspektive wird untersucht, wie digitale Medien das emotionale, kognitive und motivationale Erleben beeinflussen. Neben positiven Effekten wie Zugänglichkeit von Informationen, sozialer Unterstützung und Unterhaltung rücken vermehrt auch Belastungsfaktoren in den Fokus: etwa ständige Erreichbarkeit, Aufmerksamkeitsfragmentierung, exzessive Bildschirmzeiten, sozialer Vergleich auf Plattformen oder technikinduzierter Stress („Technostress“).
Auch auf sozialer Ebene wirken digitale Technologien ambivalent auf unser digitales Wohlbefinden. Einerseits fördern sie Verbindung, Teilhabe und neue Formen der Gemeinschaft, insbesondere über räumliche Distanzen hinweg. Andererseits können sie soziale Isolation verstärken, Beziehungen oberflächlicher werden lassen und durch algorithmisch kuratierte Inhalte Konflikte oder gesellschaftliche Polarisierung begünstigen.
Themen im Überblick
Schwerpunkt
Technostress
Technostress beschreibt die psychische Belastung, die durch den Umgang mit digitalen Technologien entsteht. Es kann auftreten, wenn Menschen sich überfordert fühlen, zu wenig Kontrolle über neue Systeme haben oder digitale Tools schlecht gestaltet sind.
Psychologische Grundlagen
Ein Überblick über wichtige Modelle und Theorien, die erklären, wann digitale Arbeit unsere Gesundheit fördert und wann einschränkt.
Digitalisierung und Burnout
Betriebliche Anwendungen werden zunehmend komplexer und schwer zu erlernen. Digitalisierung kann daher auch zu psychischen Störungen wie Burnout führen.
User Experience
Wie User Experience mit Wohlbefinden und Gesundheit bei der Arbeit zusammenhängt und was gutes Softwaredesign mit Motivation und Erschöpfung zu tun hat.
Resilienz
Was persönliche Widerstandskraft leisten kann und wo ihre Grenzen liegen. Sie ergänzt gute Arbeitsgestaltung, ersetzt sie aber nicht.
Ständige Erreichbarkeit, Stress und kognitive Überlastung
Moderne digitale Technologien (allen voran das Smartphone) sorgen dafür, dass wir nahezu immer und überall erreichbar sind und mit einer Flut an Informationen konfrontiert werden. Psychologisch kann dies zu anhaltendem Stress beitragen, weil wir nie richtig „abschalten“ können. Das kann zu sogenanntem Technostress führen. Damit ist Stress gemeint, den Nutzer infolge der Nutzung von IKT (Informations- und Kommunikationstechnik) erleben.
Konstante Unterbrechungen durch E-Mails, Chats oder Push-Benachrichtigungen fragmentieren die Aufmerksamkeit und erschweren es, zur Ruhe zu kommen. Dies beeinträchtigt die Konzentrationsfähigkeit und kann Gefühle der Überforderung auslösen, wenn die Informationsflut die Verarbeitungskapazität übersteigt. Viele Menschen verspüren Druck, auf Nachrichten umgehend zu reagieren, sei es aus sozialer Erwartung oder beruflicher Verpflichtung. Diese „Always-on“-Mentalität kann langfristig zu Erschöpfung, Schlafstörungen (durch abendliche Bildschirmnutzung und gedankliches „Nicht-Abschalten-Können“) und reduzierter Leistungsfähigkeit führen, was wiederum das digitale Wohlbefinden beeinträchtigt.
Designmerkmale und Nutzererfahrung
Die Gestaltung der User Experience (damit sind die Wahrnehmungen und Reaktionen einer Person gemeint, die sich vor, während und nach der Nutzung eines Produktes ergeben) spielt eine zentrale Rolle für das digitale Wohlbefinden von Nutzer*innen. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie intuitiv, kontrollierbar und belastend oder entlastend eine digitale Anwendung im Alltag erlebt wird. Eine gute UX orientiert sich einerseits an Effizienz und Benutzerfreundlichkeit, berücksichtigt aber auch psychosoziale Aspekte wie mentale Entlastung, Fokusförderung oder bewusste Pausen. Prinzipien wie Positive Technology oder ethisches UX-Design verfolgen das Ziel, digitale Produkte so zu gestalten, dass sie nicht überfordern, süchtig machen oder permanent unterbrechen, sondern im Einklang mit den Bedürfnissen, Grenzen und Aufmerksamkeitsressourcen der Nutzer*innen stehen. Dazu gehören beispielsweise klare Informationsarchitektur, transparente Algorithmen oder zurückhaltende Benachrichtigungen. Eine gute Gestaltung von Software kann somit nicht nur Nutzung erleichtern, sondern auch digitale Selbstregulation fördern – und leistet damit einen aktiven Beitrag zur Förderung von digitalem Wohlbefinden.
Viele Plattformen verwenden „persuasive“ Design-Elemente, um die Nutzungsdauer ihrer Nutzer*innen zu maximieren. Infinite Scroll-Feeds, ständig neue Benachrichtigungen oder Likes als sozialer Reward zielen darauf ab, Nutzer*innen möglichst lange zu binden. Aus Sicht von digitalem Wohlbefinden sind diese Mechanismen sehr problematisch, da sie impulsives, schwer kontrollierbares Nutzungsverhalten fördern. Beispielsweise führt das endlose Scrollen auf Instagram dazu, dass Nutzer*innen mehr Zeit online verbringen als ursprünglich beabsichtigt und nach der initial angenehmen Erfahrung in eine Übersättigung und ein schlechtes Gefühl umschlägt. Das kann die bereits besprochenen negativen psychischen Effekte verstärken.
Ein weiterer Faktor ist die algorithmische Kuratierung von Inhalten. Empfehlungsalgorithmen priorisieren oft Beiträge, die hohe Engagement-Raten versprechen – das sind nicht zwingend die inhaltlich „gesündesten“ für das Wohlbefinden. So kann eine algorithmisch erzeugte Informationsblase entstehen, die entweder einseitige (möglicherweise polarisierende oder verunsichernde) Inhalte liefert oder den Nutzer in immer neuen Stimuli gefangen hält. Ein Beispiel: Die Explore-Seite von Instagram oder TikToks For You Feed spielen passgenau zur Nutzervorliebe optimierte Häppchen aus – was einerseits unterhält, andererseits aber auch endlos weiterführt. Hier sehen Forscher Risiken durch Overload und fehlende Sättigungssignale: Das System gibt kein natürliches „Stopp, genug jetzt“-Feedback, sondern fördert das Weiterschauen/-scrollen.
Digitales Wohlbefinden am Arbeitsplatz, in der Schule und in der Freizeit
Digitales Wohlbefinden am Arbeitsplatz wird maßgeblich durch die Qualität der eingesetzten Technologien und deren Einbettung in Arbeitsprozesse beeinflusst. Schlechte oder schwer bedienbare Business-Software, unfertige Systeme, fehlende Integration zwischen Tools oder ständige Interface-Wechsel führen nicht nur zu Frustration, sondern auch zu kognitiver Belastung und vermeidbarem Zeitverlust. Besonders kritisch wird das, weil die Nutzung solcher Systeme in der Regel notwendig ist und es keine Alternativen gibt. Mangelhafte Gebrauchstauglichkeit (engl. Usability) wird dabei schnell zum Alltagsstressfaktor, insbesondere wenn Supportressourcen knapp sind und Mitarbeitende gezwungen sind, sich ineffizient durch komplexe Prozesse zu arbeiten. Hinzu kommen strukturelle Bedingungen wie unterbrochene Arbeitsabläufe durch ständige Benachrichtigungen, zu wenig digitale Pausen oder die Erwartung ständiger Erreichbarkeit, die die mentale Belastung weiter erhöhen.
Diese digitalen Belastungen wirken im Sinne des Job Demands–Resources (JD-R) Modells als psychologische Anforderungen (Demands), die Energie verbrauchen und bei dauerhafter Exposition zu Stress führen. Wenn diese Anforderungen nicht durch ausreichende Ressourcen (also z.B. gute Softwareergonomie oder Supportangebote) kompensiert werden, erhöht sich das Risiko für negative Folgeerscheinungen. Zu den dokumentierten Auswirkungen zählen Technostress, emotionale Erschöpfung, sinkende Arbeitszufriedenheit und Burnout. In hybriden und digitalen Arbeitsumgebungen, wo die Grenze zwischen Arbeit und Erholung ohnehin verschwimmt, wirken sich solche Belastungen besonders stark auf das psychische Wohlbefinden aus – und können langfristig zu Produktivitätseinbußen, Gesundheitsrisiken und erhöhter Fluktuation führen. Ein systematisches Management digitalen Wohlbefindens durch nutzerzentrierte Softwaregestaltung, unterstützende Angebote der Organisation und technikbezogene Prävention gewinnt daher stark an Relevanz.
Förderung von digitalem Wohlbefinden
Individuelle Fähigkeiten und Anforderungen
Das digitale Wohlbefinden hängt maßgeblich von den persönlichen Fähigkeiten und Anforderungen der Nutzer*innen ab. Digitale Kompetenzen, also die Fähigkeit, digitale Technologien effektiv und gesundheitsförderlich zu nutzen, sind hierbei entscheidend. Ein Mangel an digitalen Kompetenzen kann zu Unsicherheit, Überforderung und letztlich zu Technostress führen.
Die Selbstbestimmungstheorie der Psychologie betont die Bedeutung von Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit für das digitale Wohlbefinden. Technologien sollten daher so gestaltet sein, dass sie diese Bedürfnisse unterstützen, beispielsweise durch intuitive Bedienung, transparente Informationen und Möglichkeiten zur sozialen Interaktion.
Gestaltung von Software
Die Gestaltung von Software, insbesondere die User Experience (UX), hat einen direkten Einfluss auf das digitale Wohlbefinden. Eine positive UX berücksichtigt die psychologischen Grundbedürfnisse der Nutzer*innen und vermeidet übermäßige Ablenkungen. Typische UX-Fallen wie unnötige Features, übermäßige Datenauswertung und zu viele Personalisierungsoptionen können zu Stress führen.
Das Prinzip „Always-on“ und die damit verbundene ständige Erreichbarkeit können zu digitaler Reizüberflutung und Konzentrationsproblemen führen. Studien zeigen, dass selbst die bloße Anwesenheit eines Smartphones die kognitive Leistungsfähigkeit beeinträchtigen kann.
Um dem entgegenzuwirken, sollten Softwarelösungen Prinzipien der „Calm Technology“ verfolgen, bei denen Informationen nur dann in den Vordergrund treten, wenn sie wirklich relevant sind. Dies hilft, die Aufmerksamkeit der Nutzer*innen zu schonen und ihre Konzentration zu fördern.
Organisationelle Aspekte
Grade für digitales Wohlbefinden am Arbeitsplatz spielen Organisationen eine zentrale Rolle. Klare Kommunikationsrichtlinien, Schulungen zur digitalen Kompetenz und ein unterstützendes Arbeitsumfeld sind hierbei essenziell.
Im Homeoffice beispielsweise ist die Trennung von Arbeits- und Privatleben oft erschwert. Organisationen sollten daher Maßnahmen ergreifen, um diese Trennung zu unterstützen, etwa durch flexible Arbeitszeiten, klare Erwartungen hinsichtlich der Erreichbarkeit und die Bereitstellung ergonomischer Arbeitsmittel.
Zudem können digitale Menschmodelle (Digital Human Models, DHM) eingesetzt werden, um Arbeitsplätze ergonomisch zu gestalten und so das Wohlbefinden der Mitarbeitenden zu fördern. Diese Modelle ermöglichen die Simulation und Analyse von Arbeitsprozessen und helfen, Belastungen zu identifizieren und zu minimieren.
Tim-Can Werning ist Psychologe, Referent der German UPA und Führungskraft an der IU Internationalen Hochschule. In seiner Forschung untersucht er, wie die Digital Experience von Arbeitssystemen das psychische Wohlbefinden von Mitarbeiter*innen beeinflusst. Als Speaker und Herausgeber des „Handbuch User Experience“ bei Springer Gabler macht er dieses Wissen für die betriebliche Praxis anwendbar.
Das Projekt Digitales Wohlbefinden

Im Projekt [ Digitales Wohlbefinden ] verfolgen wir das Ziel, die psychische Gesundheit und die Arbeitszufriedenheit von Mitarbeitenden durch Verbesserungen in der digitalen Arbeitsumgebung nachhaltig zu stärken.
Im Mittelpunkt steht der bewusste Umgang mit digitalen Technologien und die Gestaltung nutzerfreundlicher Softwarelösungen, die den Arbeitsalltag erleichtern und nicht zusätzlich belasten.
